Rückblick auf die Summer Shoal 2017
über die Ethologie und das Wohl von Fischen

2-5 September 2017 · Marina Julia · Italien
Organisiert vom Verein fair-fish international und dessen FishEthoBase-Forschungsteam

 

Erfolgreiche erste Summer Shoal 

Um das Wohl von Fischen in Zucht zu verbessern brauchen wir mehrt spezifisce Forschung, mehr Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit, mehr Dialog zwischen allen interessierten Kreisen und bessere Richtlinien: So lautet die Schlussfolgerung eines internationalen Kongresses, zu dem sich kürzlich Experten in Italien trafen. 

 

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In den ersten Septembertagen trafen sich 34 Experten aus 12 europäischen Ländern  an der nördlichsten Küste des Mittelmeers, um ihr ethologisches Wissen und Ideen zur Verbesserung des Fischwohls in der Aquakultur auszutauschen. Unter Vermeidung der üblichen Konferenzkultur mit  Sitzreihen und Präsentationsbildschirm versammelten sich Wissenschafter, Tierschutz-Campaigner und Fischzüchter während zweier Tage in einem grossen Kreis unter den Pinien an der Marina Julia in der nordostitalienischen Werftstadt Monfalcone.

Auf Einladung von fair-fish international association und dessen FishEthoBase-Forschungsteam folgten die Teilnehmer 14 Vorträgen, unterstützt von einem Volltext-Skriptbuch in der Hand jedes Teilnehmers. Jedem viertelstündigen Vortrag folgte eine ebenso lange Diskussion. 

 

Wissenschaftliche gestützter Nachweis

Der erste Kongresstag galt der Ethologie und dem Fischwohl. fair-fish-Gründer Billo Heinzpeter Studer aus Monfalcone erläuterte die Idee hinter der Fisch-Ethologie-Datenbank FishEthoBase und deren praktischen Nutzen. Die Anwendung der Vier Fragen der Ethologie aufs Fischwohl präsentierte der FishEthoBase-Forscher Dr. João Luis Saraiva aus Faro in Portugal, während seine Teamkollegin Dr. Maria Filipa Castanheira aus Wien das aktuelle Verständnis und künftige Ausrichtungen der Erforschung von Bewältigungsstrategien und Fischwohl beleuchtete.

Dr. Leonor Galhardo vom Hochschulinstitut für Angewandte Psychologie in Lissabon machte die Idee verständlich, dass die Herausforderung in der Tierhaltung weit über die Verringerung von Stress hinausreiche: Es gehe darum, die Lebensqualität eines Tiers zu verbessern. Verhaltensindikatoren für das Tierwohl am Beispiel von Kraken zeigte Dr. Pablo Arechavala-López vom Mittelmeerinstitut für Fortgeschrittene Studien auf Mallorca, der auch als Gutachter an der FishEthoBase mitwirkt.

Der Frage der raschen und zunehmenden Domestizierung von Fischarten und deren Rolle für das Fischwohl widmete sich  Dr. Fabrice Teletchea von der Universität Lorraine in Frankreich. Und zum Schluss setzte Dr. Mimi E Lam von der Universität Bergen in Norwegen das Fischwohl in den Zusammenhang eines umfassenderen wissenschaftlichen Konzepts einer Ethik der Fischproduktion entlang verschiedener Wertschöpfungsketten. Zwei Poster ergänzten den ersten Tag: Dr. Violaine Colson vom französischen Nationalinstitut für Agrarforschung (INRA) stellte Experimente vor über einen neuen emotionalen und kognitiven Zugang  zur Fischwohl-Phänotypisierung von Regenbogenforellen unter Sauerstoffmangel vor, während Björn Bassmann und Harvey Harbach von der Universität Rostock in Deutschland ihr Experiment über die Auswirkung von Pflanzenüberfluss auf das Wohlbefinden Afrikanischer Welse in Aquaponic-Systemen erläuterten.

 

Kooperation mit Industrie und Richtliniensetzern

Der zweite Teil der Summer Shoal konzentrierte sich auf die Frage, wie Fischwohl in die Praxis umzusetzen wäre. Andreas Graber, Präsident des derzeit grössten Kreislaufanlagen-Projekts (RAS) in der Schweiz, vermittelte einen Einblick in die Sicht eines kommerziellen RAS-Betreibers auf das Fischwohl. Der Mailänder Dr. Paolo Bray, Gründer und Direktor von Friend of the Sea (FOS), eines global führenden Zertifizierungsschemas für Fischerei und Aquakultur, beleuchtete das Fischwohl als Mehrwert für einen Standard wie FOS. Eiona Rodgers von der britischen Königlichen Gesellschaft für die Vermeidung von Grausamkeiten an Tieren (RSCPA) präsentierte die Richtlinien ihrer Organisation für das Wohl von Atlantiklachsen und Regenbogenforellen, die von einer Mehrheit der Fischfarmer in Grossbritannien befolgt werden.  

Einige Kampagnenexperten berichteten über ihre Pläne zur Förderung des Fischwohls. Für die britische Organisation Compassion in World Farming (CIWF) skizzierte Krzysztof Wojtas Prioritäten und  Gelegenheiten. Douglas Waley von der in Brüssel wirkenden Eurogroup for Animals erklärte, wie fischethologische Erkenntnisse in die anwaltschaftlichen und kommunikativen Aktivitäten seines Verbands einfliessen. Phil Brooke, Mitarbeiter des CIWF und Vizepräsident der Arbeitsgruppe Fische im Europäischen Aquakultur-Beirat (AAC) berichtete über den Dialog mit der Industrie, sekundiert von Paul Denenkamp, Vizepräsident der AAC-Arbeitsgruope Schalentiere und Vorstandsmitglied der holländischen Stiftung zum Schutz von Fischen(Vissenbescherming).

 

Wie lässt sich das Wohl von gefarmten Fischen verbessern?

Die abschliessende Plenumsdiskussion ging von den Resultaten von fünf Arbeitsgruppen aus. Es gibt genügend wissenschaftliche Beweise dafür, dass Fische empfindende Wesen sind, weshalb sie den moralischen Vorteil des Zweifels verdienen. Allerdings braucht es mehr artspezifische Forschung, vor allem auf Farmen, um Wege zur Verbesserung des Fischwohls aufzuzeigen. Nachdem das Wissen über Fischzucht und Fischwohl in der Öffentlichkeit noch immer gering ist, sind Aufklärungskampagnen entscheidend, um die Bereitschaft zu fördern, für Fischwohl einen angemessen höheren Preis zu bezahlen, und um Politiker im Versuch zu unterstützen, Richtlinien und Gesetze zu verbessern. 

 

 

Summer Shoal 2018

 

Download: Volltext-Skriptbuch aller Vorträge.. 

Download der Videos aller Vorträge und Diskussionen: 
01 Billo Heinzpeter Studer
02 Joāo Luis Saraiva
03 Maria Filipa Castanheira
04 Leonor Galhardo
05 Pablo Arechavala-López
06 Krzysztof Wojtas
07 Fabrice Teletchea
08 Mimi E. Lam
09 Andreas Graber
10 Eoina Rodgers
11 Paolo Bray
12 Douglas Waley
13 Phil Brooke
14 Paul Denekamp
15 Conclusions: Abschliessende Plenumsdiskussion

Posters von Violaine Colson, Björn Bassmann, Harvey Harbach und des FishEthoBase-Forschungsteams sind im Skriptbuch integriert.

 

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Neues Kongressformat: im Kreis und im Freien sitzend, was Konzentration und Kommunikation befördert. Mit einem Minimum an technischen Geräten und mit Posters aus faltbarem Textil auf dem Gras.

 

Im selben Format wird die Summer Shoal 2018 erneut durchgeführt, vom 1-5 September, wieder in Marina Julia nordwestlich von Triest.
Vormerken! Details und Buchung ab Dezember.